Mittwoch | 30. Mai 2012 | 23:45 Uhr
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    Drama | Deutschland 2009
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      • | Interview mit Produzent Tom Spieß

      • Herr Spieß, warum haben Sie sich entschieden, HANGTIME zu produzieren? Was hat Sie an dem Stoff interessiert und was macht ihn Ihrer Meinung nach besonders?

        Abgesehen davon, dass Christian Zübert einen sehr eigenen Erzählstil hat, der originell und für ein Publikum nachvollziehbar ist, hat uns dieser starke persönliche Konfl ikt der Hauptfi gur überzeugt. Der Sport dient dann auf der einen Seite als Projektionsfl äche für die starke Bruder Geschichte, die das Herz des Films ausmacht: der Konfl ikt zwischen den beiden Brüdern. Auf der anderen Seite ist der Sport eine Folie für Vinz Situation, sich entscheiden zu müssen. Der Titel HANGTIME meint ‚in der Luft hängen’, das bedeutet, ‚ich weiß im Moment nicht genau, wie ich mich entscheiden soll – aber ich muss’. Das hat natürlich auch etwas mit der Generation von Vinz zu tun, mit dem Alter, in dem er gerade steckt. Vinz ist eigentlich schon sehr erwachsen, fi nde ich, insofern ist es eigentlich kein typischer Coming-of-Age-Film. Er hat schon sehr früh gelernt, eigene Entscheidungen zu treff en, Verantwortung zu übernehmen. Genau wie sein Bruder. Und er ist jetzt in dem Dilemma, den von seinem Bruder geplanten Weg als Profi spieler anzunehmen oder seinen eigenen zu fi nden.


        War die Mischung aus dramatischen und komödiantischen Elementen im Film von Anfang an so vorgesehen?

        Ja, es war uns sehr wichtig, dass wir vor allem die Freundschaft von Vinz, Sammy und Ali nicht so erzählen, dass die drei die ganze Zeit mit hängendem Kopf durch Hagen laufen und nicht wissen, wie es mit ihnen und der Welt weitergehen soll. Das wäre auch nicht glaubwürdig gewesen. Ich glaub diesen Figuren nur, wenn sie auch Blödsinn machen und sich über den Humor gut verstehen und sich auf der anderen Seite auch die Wahrheit sagen können. Die stehen alle drei vor demselben Lebensabschnitt, vor der gleichen Entscheidung. Bei Vinz steht die Frage an: Was kommt nach der Schule? Bei Samy die Frage: Was ist nach dem Aufstieg von Phoenix Hagen in die 1. Liga? Bei Ali: Will ich ernsthaft ins Musikgeschäft einsteigen oder doch lieber etwas anderes machen?


        HANGTIME ist nach einer Reihe von Fernsehserien die erste Kinoregie von Wolfgang Groos. Was hat ihn als Regisseur für diesen Film empfohlen?

        Wir haben ihn ermutigt; seit DAS WUNDER VON BERN, den er als Regieassistent gemacht hat, arbeiten wir mit Wolfgang zusammen. Er bringt große Erfahrungen aus seiner Zusammenarbeit mit z.B. Graf und Glasner mit. An der Serie FREUNDE FÜR IMMER hat er mitgeschrieben und einige Folgen inszeniert. Er hat das hervorragend gemacht und wir haben gesehen, dass er sich kontinuierlich weiterentwickelt hat. Und guten Leuten dabei zu helfen, sich zu entwickeln, entspricht auch unserer Idee als Produzenten – genau wie bei Christian Zübert, mit dem wir nach seinem Debüt LAMMBOCK bisher drei Filme gemacht haben. Wir haben uns mit Wolfgang über die Figuren, über das Timing der Geschichte und die Dramaturgie verstanden und wir haben die gleichen Erwartungen und Ansprüche an das Buch gehabt. Und dass er das handwerklich kann, war eh nicht die Frage.


        Erfüllt der fertige Film denn Ihre Erwartungen?

        Ja, ich bin absolut zufrieden und freue mich sehr über den Film. Ich fi nde, das ist ein ganz kraftvolles Debüt geworden mit großen Stärken, das zeigt, was in Wolfgang steckt. Ich glaube, dass man auch sieht, dass Wolfgang und der Kameramann Alexander Fischerkoesen ein klares Konzept gehabt haben in Bildsprache, Schnitt und Montage. Auf Super16 zu drehen und dann mit Cinemascope ins Kino zu gehen war die richtige Entscheidung. Zudem hat das Team aus den 1,7 Mio. Euro, die sie hatten, wahnsinnig viel rausgeholt. Und ich glaube, dass der Film diese Begeisterung, die Energie, die beim Drehen da war, auch auf das Publikum überträgt. In der Spielfreude der Figuren und in der Tonalität der Erzählung, im Schnitt, in der Kameraarbeit.


        Ist HANGTIME in erster Linie für Basketball Interessierte gemacht?

        Nein, der Sport ist zwar natürlich ein wichtiges Element, aber nicht das zentrale Thema des Films. Das Thema ist ja: ‚Ich muss mich entscheiden, wie geht’s weiter in meinem Leben’. Und unsere Tests haben gezeigt, dass sich vor allem ein junges Publikum auch im Kino sehr für dieses Thema interessiert. Außerdem haben wir mit dem Hauptdarsteller jemanden gefunden, der nicht nur klasse spielt, sondern in seiner Attraktivität auch ein Interesse vor allem beim weiblichen Publikum hervorrufen wird. Und ich würde mir erhoff en, dass es im deutschen Film wieder gelingen kann, auch ein deutsches Publikum für das Thema ‚Wie sehe ich mich als Jugendlicher in der Welt?’ zu interessieren und zu begeistern.

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