Im Wesentlichen wurde HANGTIME - KEIN LEICHTES SPIEL in Hagen gedreht, und zwar ausschließlich an Originalschauplätzen, einige wenige Szenen wurden in Frankfurt, Köln und Bonn aufgenommen. Hagen, als Drehort bisher eher unterrepräsentiert in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft, hat sich dabei als Glücksgriff herausgestellt. Wolfgang Groos schwärmt: „Für uns war die Stadt ein Traum! Das Buch war ja ursprünglich nicht auf Hagen geschrieben, sondern auf eine andere Stadt, aber Hagen fand ich bei meinem ersten Besuch sofort viel besser. Am Anfang musste die Stadt dann erstmal verstehen, dass wir nicht einfach ein Reporter-Team sind oder eine Doku-Soap drehen, sondern richtig Aufwand betreiben. Für Hagen ist das schon ein großes Ding.“
Anders als in bisherigen Filmen, die in Hagen gedreht wurden, spielt die Stadt in HANGTIME explizit eine Rolle und wird quasi zu einer Hauptfi gur des Films. Nachdem sich der Stellenwert des Drehortes vermittelt hatte, hat die Stadt dem Team „wirklich sensationell geholfen“, erinnert sich der Regisseur. „Ich kenne beispielsweise keine andere Stadt in Deutschland, von der ich jemals gehört habe, dass für einen Außen-Nachtdreh Lampen installiert wurden wie für uns. Es gibt ein paar Szenen, die hätten wir sonst sehr aufwändig und kompliziert ausleuchten müssen. Das hätte unser Budget völlig gesprengt. Das war natürlich großartig.“
Und auch die Hagener selbst unterstützten den Film nach Kräften und opferten ihre Freizeit, um dabei sein zu können. Groos erklärt: „Bei den Basketball-Szenen sitzen keine Komparsen, sondern echte Basketball-Fans. Wir haben an fünf oder sechs Tagen die ganzen Basketball-Szenen gedreht und die Leute haben alle unentgeltlich mitgemacht, weil sie Lust dazu hatten. Auch das fi nde ich fantastisch und ziemlich einzigartig. Also, wenn eine Geschichte auf Hagen passt, kann ich die Stadt nur empfehlen.“
Eine besondere Herausforderung stellte die Inszenierung der temporeichen Basketball- Sequenzen dar. Auch wenn man es den entsprechenden Spielszenen nicht ansieht – ihre Authentizität war harte Arbeit. Der Regisseur dazu: „Es ist ja leicht, im Drehbuch zu schreiben, ‚Hagen macht einen einfachen Korb’, aber so einfach ist es nicht. Wir haben wirklich jeden Spielzug genau geplant, weil wir mit zwei oder drei Kameras gedreht haben, aber die Halle nicht immer komplett voll hatten mit Zuschauern. Das heißt, wir mussten uns immer überlegen, in welche Richtung wir fi lmen, und die Aktionen mussten sehr gut choreographiert sein.“
Diese Choreographie wurde in Zusammenarbeit mit Oliver Herkelmann erarbeitet, dem Geschäftsführer von Phoenix Hagen, der das Filmteam enorm unterstützte und gemeinsam mit dem Regisseur die Filmszenen in Basketball-Spielzüge übersetzte.
„Dann haben wir ein Training gemacht und sind einen Tag lang mit den drei Mannschaften – also Phoenix Hagen, Schalke und Essen – fast alle Spielzüge durchgegangen“, erzählt Groos. „Es war auch für mich und den Kameramann sehr wichtig, unsere Vorstellungen zu visualisieren und zu überlegen, wie wir unsere drei Kameras am eff ektivsten einsetzen. Durch meinen eigenen Background als Ballsportler habe ich wahrscheinlich besonders viel Wert darauf gelegt, dass diese Szenen glaubwürdig sind und wirklich gut aussehen.“Eine gute Vorbereitung war dem Regisseur für seine Arbeit an HANGTIME also sehr wichtig – nicht nur für die Basketballszenen. Die drei jungen Hauptdarsteller, Max Kidd, Ralph Kretschmar und Max Fröhlich, hat er zum Beispiel schon zwei Wochen vor Drehbeginn nach Hagen kommen lassen, damit sie ein Gefühl für die Stadt entwickeln und sich dort zuhause fühlen können. Ansonsten, erzählt er, gab es viele Leseproben und intensive Einzelgespräche, in denen er und die Darsteller sich die jeweiligen Figuren gemeinsam erarbeitet haben: „Zu sehen, wie sich die verschiedenen Vorstellungen von einer Figur, die wir an den Film herantragen, gegenseitig ergänzen und bereichern, ist ein Teil meiner Arbeit, der mir besonderen Spaß macht.“
Eine große Herausforderung war für ihn die Arbeit mit den Kinderdarstellern, die eine Menge Fingerspitzengefühl und ebenfalls gute Vorbereitung erforderte.
Dass die Anfangsszene des Films, in der der kleine Vinz vom Tod seiner Eltern erfährt und zusammenbricht, so gut gelungen ist, empfindet Wolfgang Groos als besondere Genugtuung: „Der kleine Junge, Eric Ventker, der den jungen Vinz spielt, ist in seinem Alter natürlich kein ausgebildeter Schauspieler. Wir konnten im Vorfeld also nicht viel proben, sondern nur versuchen, mit ihm Hilfestellungen zu erarbeiten, auf die wir beim Dreh dann zurück greifen konnten. Das war natürlich spannend und ich freue mich sehr, dass er das so gut hingekriegt hat.“
Doch auch mit den erwachsenen Schauspielern gab es intensive Spielszenen, deren emotionale Glaubwürdigkeit stark von einer gelungenen Inszenierung abhing und die deshalb vorher gesondert geprobt wurden. Da ist zum Beispiel die Streitszene zwischen den beiden Brüdern: „Die Szene ist ja relativ groß im Film“, erläutert der Regisseur. „Und diese Balance hinzukriegen, dass die Brüder sich wirklich massiv angehen und man darunter aber immer die Bruderliebe spürt und mit den beiden mit leidet, das war für mich eine große Herausforderung. Auch hier bin ich total happy, dass das so gut funktioniert.“
Ähnlich erging es ihm mit der Liebesszene zwischen Vinz und Kathi: „Es gibt schon so viele Liebesszenen! Da stellt sich natürlich die Frage, wie vermitteln wir damit etwas Besonderes. Mir gefi el die Idee, mich auf ein Wechselspiel aus Zärtlichkeit und fast Albernheit zu konzentrieren. Die Szene ist zwar nicht lang, aber das erzählt viel über die beiden. Und dass wir uns das so erarbeitet haben, das freut mich auch sehr.“