FILMDETAILS | Ruhnama - Im Schatten des heiligen Buches
Ruhnama - Im Schatten des heiligen Buches
Dokumentation
| Finnland 2007
WERBUNG
| Der Regisseur über...
... westliche Konzerne und ferne Diktaturen.
Seit langem verblüfft es mich immer wieder, wie internationale Konzerne in Ländern operieren, in denen die Menschenrechte andauernd verletzt werden. Diktaturen missbrauchen oft ihre Beziehungen zu internationalen Firmen zu Propagandazwecken und erleichtern ihnen deshalb die Möglichkeit im Land des Diktators riesige Profite einzufahren. Die Propaganda macht die Menschen, die in diesen Diktaturen leben, glauben, dass die Konzerne und die Länder, in denen diese Firmen beheimatet sind, die herrschende Regierung unterstützten. Die sichtbare Unterstützung, die die internationalen Konzerne geben, nutzen die Diktatoren als Schutzschild gegen die heimische Opposition und gegen Dissidenten und verhindern auf diese Weise Demokratisierungsbemühungen.
... Das Beispiel China.
Ich war gerade in China und Tibet, als China „seine Tore öffnete“ und eine Flut internationaler Konzerne hineinstürzte. Viele Firmen hatten ihre Beteiligung in China damit gerechtfertigt, dass sie mit der Durchsetzung eines freien Marktes zur Demokratisierung beitragen würden. Das Ergebnis kann uns jedoch erschaudern lassen. Die Firmen haben enorme Profite eingefahren. Gleichzeitig hat China seine Position in der Welt als führendes Land erheblich gestärkt. Als ständiges Mitglied im UN Sicherheitsrat, ist China zwar mitverantwortlich für das Schicksal andere Nationen, die Lage der Menschenrechte und die Meinungsfreiheit im eigenen Land haben sich allerdings nicht verbessert. Tatsächlich ist China jetzt, als Staat gestärkt, gegenüber Tibet und Taiwan aggressiver geworden. Chinas politische und ökonomische Kraft ist gewachsen, während gleichzeitig die Möglichkeiten schwinden China in Fragen der Menschenrechte und Meinungsfreiheit zu beeinflussen.
Warum es ein Film über Turkmenistan wurde.
Als ich erfuhr wie internationale Konzerne in Turkmenistan agieren, sah ich, dass ein Thema, mit dem ich mich schon lange einmal auseinandersetzen wollten, näher gerückt war. Die rücksichtslosen Eigeninteressen der Konzerne, wie auch die turkmenische Propaganda konnten durch die Aktivitäten um die Übersetzungen des Buches Ruhnama sehr gut dramatisiert und erklärt werden. Die absurden Drehungen und Wendungen, die mit dem Buch zusammenhängen, lieferten eine hervorragende Plattform für die Story, weil sie es möglich machten, gleichzeitig die kleinen lebendigen Details und das große internationale Bild im Auge zu haben.
... Erkenntnisse während Dreharbeiten.
Sobald Öl und Gas ins Bild treten, werden die Aktionen der beteiligten Länder noch skrupelloser. Die moralischen Grenzen von Privatpersonen werden immer verschwommener, sobald sie die Gelegenheit bekommen durch Handlungen reich zu werden, die ihre eigenen Grenzen in Frage stellen. Unsere fragwürdigen Handlungen wachsen in den Grauzonen. Die Reinheit, die in uns allen existiert verdunkelt sich, wenn wir die Konsequenzen unserer Handlungen und Gedanken nicht reflektieren, kontrollieren und hinterfragen.
... Die Selbsterfahrung.
Als ehrgeiziger Manager hätte ich vielleicht die gleichen Fehler gemacht wie die Firmen in Turkmenistan. Die festgelegte Politik der Firmen verändert auch unsere Moralvorstellungen und macht uns blind gegenüber den weit reichenden Auswirkungen unserer Handlungen. Die Konzerne wachsen durch die Umstände, die wir geschaffen haben, zu Monstren heran, und gleichzeitig werden wir auch zu Monstern. Die Verantwortung tragen wir alle: Gemeinschaft, Konzerne und Individuen. Die Aufgabe eines Filmemachers besteht darin von solchen Zusammenhängen zu berichten – möglicherweise geht es dabei auch um die Entwicklung des Filmemachers.
| FILMPLAKAT
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