Freitag | 01. Juni 2012 | 00:27 Uhr
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  • Die Anwälte - Eine deutsche Geschichte

    Dokumentation | Deutschland 2009
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      • | Die Anwälte über Stammheim

      • Hans Christian Ströbele:
        Das war eine Nacht, die von Enttäuschung und Verzweiflung geprägt gewesen ist, über alles, was am Abend, in der Nacht, am Morgen passiert ist. Völlige Bestürzung und ich konnte mir nicht vorstellen, dass Waffen in die Zellen reingekommen sind und, dass sich Baader, Ensslin und Raspe selber umgebracht haben. Und ich habe es deshalb als meine Pflicht angesehen, alles dafür zu tun, dass dieses unabhängig, möglichst durch eine international besetzte Kommission aufgeklärt wird...


        Otto Schily:
        Dann erreicht mich die Nachricht, die Untersuchungsgefangenen in Stammheim sind tot und einer davon ist erschossen worden. Das kann ich natürlich überhaupt nicht begreifen, wie es möglich ist, jemand dort zu erschießen, da muss ich zunächst mal Fremdverschulden annehmen. Und deshalb sind wir auch zu der Obduktion gegangen. Was schwer emotional zu verarbeiten ist, wenn Sie jemanden auf der dem Obduktionsbett liegen sehen, mit dem sie bisher als Mandant geredet haben...


        Horst Mahler:
        Dass, wenn Sie vor sich haben »es geht nichts mehr«, lebenslänglich, dass sie sich das nicht ansehen wollten, dass es klar war, dass sie dann dem ein Ende machen wollen und dann auch die Entschlossenheit, wenn es denn notwendig ist, den eigenen Körper und damit auch das Verschwinden des Körpers zu einer Waffe zu machen... Hans-Christian Ströbele Ja, es ist ganz eindeutig ein Gefühl des Gescheitertseins, der Niederlage, wenn es in mehreren Fällen nicht gelungen ist, wenigstens das Leben der Mandanten im Gefängnis zu retten. Wenn man dann am Grab stand und es war ein Gefühl der tiefen Enttäuschung, aber auch der Wut.


        Otto Schily:
        Wenn man etwas tiefer versucht, in die Geschichte einzudringen, dann muss man natürlich schon die Frage stellen: Wie kommt es, dass ein Mensch wie Holger Meins, der ein überzeugter Pazifist war, - überzeugter Pazifist! - dann meint, er muss diesem Staat militant gegenüberstehen oder Gudrun Ensslin, die für die SPD in der Wählerinitiative für Willy Brandt war - auch ein Exponent des antifaschistischen Widerstandes - meint, diese demokratischen Möglichkeiten reichen nicht aus. Was da passiert ist, das rechtfertigt kein einziges Attentat, aber ich glaube, wenn wir die Geschichte begreifen wollen, muss man diese Tragödie sehen. Alle diese Menschen, die dort umgekommen sind, hätten einen wichtigen Beitrag leisten können für unsere Gesellschaft...

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