Donnerstag | 31. Mai 2012 | 16:16 Uhr
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    Drama, Kinderfilm, Romanze | Deutschland 2007
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      • | Interview mit Johannes Schmid (Regie)

      • Wie sind Sie als Quereinsteiger dazu gekommen, nicht nur Filme zu machen, sondern auch Theater zu inszenieren und Produzent zu werden?

        Ich hab Theater- und Filmwissenschaften studiert, da ich nie auf einer Filmhochschule genommen wurde. Aber ich dachte, das muss einfach sein und fing dann im Studium an, kleine Inszenierungen an der Uni-Bühne zu machen und erste Kurzfilme zu drehen. Bis „Blöde Mütze!“ tatsächlich auf der Leinwand war, von dem Gedanken das Buch meines Bruders zu verfilmen, sind insgesamt sechs Jahre vergangen. Wir haben 2001 begonnen, uns damit zu beschäftigen, 2006 wurde endlich gedreht und 2007 war dann die Premiere.


        Warum hat das so lang gedauert? Gab es da irgendeine Initialzündung, dass es dann irgendwann funktioniert hat?

        Ja, es hatte natürlich damit zu tun, dass ich bzw. „Schlicht und ergreifend“ sich erst einmal positionieren mussten, dass wir erst mit einer Reihe von Kurzfilmen den Förderern, den Sendeanstalten unter Beweis stellen mussten, dass wir das können. Wir haben im Vorfeld auch einen anderen Kinofilm produziert, „Aus der Tiefe des Raumes“. Da war ich als Produzent beteiligt, das hat Vertrauen geschaffen, dann ist der BR eingestiegen und dann ging plötzlich alles relativ einfach.


        Es haben produziert die Kinderfilm GmbH, „Schlicht und ergreifend“, co-produziert vom BR, der RBB, das Drehbuch wurde gefördert. Hat man bei so vielen Geldgebern irgendwann das Problem, dass jeder mitreden will?

        Also ich hatte einen Co-Autor, zwei Redakteurinnen und zwei Produzenten. Das sind natürlich viele Partner, mit denen man eine gemeinsame Vision von dem Film entwickeln muss, aber ich hab das eigentlich immer als eine positive Auseinandersetzung empfunden, sich auch immer wieder neu mit dem Stoff zu beschäftigen und für das Projekt möglichst fruchtbar zu machen. Es ist auch eine Auseinandersetzung, die mir als Theaterregisseur vertraut ist. Im Prozess der Auseinandersetzung kann durchaus eine Verbesserung des Projekts stattfinden.


        Sie haben in achtundzwanzig Drehtagen gedreht. Mussten Sie besonders knapp kalkulieren?

        Natürlich war das Budget des Filmes ein Debüt-Budget, vielleicht vergleichbar mit einem mittelgroßen Fernsehfilm und wir haben das tatsächlich in einem sehr strengen Programm von achtundzwanzig Drehtagen geschafft. Aber ich bin relativ gestärkt in diese Arbeit gegangen. Es war zwar mein erster Spielfilm, aber ich hatte zum damaligen Zeitpunkt vielleicht dreizehn Theaterinszenierungen auf dem Buckel. Ich glaube, da war ich vielleicht ein bisschen besser gerüstet, als manch anderer Erstlings-Regisseur.


        Hat ihr Bruder am Drehbuch mitgearbeitet?

        Nein. Er war natürlich immer auf dem aktuellen Stand und hat die einzelnen Fassungen zu lesen bekommen, hat sie auch kommentiert, aber er hat nicht direkt am Drehbuch mitgearbeitet.


        Was hat Sie an der Geschichte besonders interessiert? Ist das eine gemeinsame Kindheitserfahrung?

        Natürlich hat das auch mit unserer Kindheit zu tun. Mein Bruder ist dreizehn Jahre älter als ich, das heißt, sein Blick auf seine Kindheit ist ganz anders als mein Blick auf meine Kindheit. So versucht „Blöde Mütze!“ einen Blick auf Kindheit, der relativ universell ist und sich mit den Kernthemen und Problematiken des Erwachsenwerdens auseinandersetzt. Klar, dass der Film aus der Lebenswirklichkeit von meinem Bruder und mir schöpft, aber es sind keine konkreten Erlebnisse die wir hatten, dargestellt. Er spielt schon auf einem abstrakteren künstlerischen Übertragungsniveau. Und was ich grundsätzlich spannend finde, sind Protagonisten an der Schnittstelle von der Kindheit zur Pubertät, weil in keiner Zeit das emotionale Erleben so eng, so dicht, so pur ist, wie in dieser Zeit und ich das für das Kino auch eine große Chance finde, sich mit solchen Protagonisten zu beschäftigen.


        Das Kinderensemble wurde in München schon mit dem „Weißen Elefanten“ ausgezeichnet. Wie haben Sie die drei Kinderdarsteller gefunden?

        Wir haben ganz normal gecastet. Einerseits Kinder, die schon Dreherfahrung hatten oder auch schon in Agenturen sind. Aber andererseits sind die Casterinnen auch in die Schulen gegangen, haben Theateraufführungen gesehen, haben die Kinder angesprochen, erste Aufnahmen gemacht. Und so haben wir schlussendlich diese Dreierkombination gefunden. Das war relativ komplex, dass man eine Konstellation findet, die wirklich in alle Richtungen funktioniert bei den dreien.


        Wie haben Sie mit den Kindern gearbeitet?

        Ich arbeite mit Kindern grundsätzlich nicht anders als mit erwachsenen Schauspielern. Die drei waren alle sehr clever und intelligent. Wichtig ist, dass die Kinder nicht das Gefühl haben, nur durch das Bild geschoben zu werden und Dinge ausführen zu müssen. Und was gut funktioniert ist, dass man sich als großer Bruder etabliert, der das entscheidende Maß an Autorität mitbringt, aber trotzdem auch zu einer Vertrauensperson in der Zeit werden kann, damit die Kinder sich vor der Kamera wirklich öffnen können.


        Sehen Sie zwischen Kinder- und Erwachsenenfilm einen Unterschied in der Ästhetik?

        Nein. Natürlich überlegt man, verstehen die Kinder das? Aber der Film muss in erste Linie meinen ästhetischen Kriterien entsprechen. Ich arbeite ja zum Teil auch am Theater für Kinder und Jugendliche und meine Inszenierungen sehen da ästhetisch exakt so aus, wie wenn ich für Erwachsene arbeite. Es ist eine Herausforderung, die Kinder mit einer Ästhetik, die sie vielleicht nicht gewohnt sind, zu konfrontieren.


        Sie machen am liebsten Filme und Theater für Kinder und Jugendliche?

        Das ist zumindest ein Segment, das ich wirklich gerne mache und mit dem ich mich gerne beschäftige. Ich finde das wichtig, auch um das Publikum von morgen möglich zu machen.

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