| Interview mit Thomas Schmid (Autor Romanvorlage)
Wie war Ihre erste Reaktion als Sie hörten, dass Ihr Bruder ihren Roman verfilmen will?
Ich dachte erst: Cool, mein Lieblingsregisseur. Und dann: Hoffentlich hilft ihm mein Buch. Bis zum ersten langen Kinofilm ist es ein steiniger Weg.
Sind Sie in die Entwicklung des Drehbuchs einbezogen worden, bzw. hatten Sie Einflussmöglichkeiten?
Was man sich normalerweise als Autor der literarischen Vorlage ausbedingt oder hofft, nicht zu verlieren - nämlich Einfluss und letztendlich die Kontrolle -, das war in diesem Fall unerheblich. Ich hatte von Anfang an Vertrauen. Und das hab ich Johannes und Philipp spüren lassen: die beiden, die im Gegenzug von Anfang an, an den Stoff geglaubt haben. Natürlich sind wir dann über die entstehenden Treatments und Drehbuchfassungen im Gespräch geblieben – aber ich hab ihnen freie Hand gelassen. Zu Recht, wie man inzwischen auf der Leinwand überprüfen kann.
Waren Sie mal bei den Dreharbeiten?
Das hab ich aus Zeitgründen nicht geschafft. Aber ich weiß, wie langweilig es am Drehort sein kann, wenn man nicht mitarbeitet - und meine Arbeit war ja längst getan. Ich habe das Team dann aber bei der Feier zum Abschluss der Dreharbeiten kennen gelernt.
Was ist für Sie der wesentliche Unterschied zwischen ihrem Roman und dem fertigen Film?
Der Unterschied zwischen allen Büchern und ihren Verfilmungen. Der Film ist geraffte Zeit aus Licht und Ton. Das Buch ein längeres Gedankenspiel. Wäre der Film ein Tag, wäre das Buch eine Woche. Ich hatte im Buch mehr Raum, den Leser mit den Figuren vertraut zu machen. Ihn die Brücke zwischen Verstand und Gefühl hin und her passieren zu lassen. Der Film muss den Zuschauer sofort packen. Und das tut er auch! Mit seinen Bildern, mit seiner Musik. Und der Art, wie er uns eine lange Geschichte kurz erzählt.
Die Romanfiguren plötzlich lebendig auf der Leinwand zu sehen: erkennen Sie die noch wieder, oder hat der Film mit seiner eigenen Ästhetik nichts mehr mit den Romanhelden zu tun?
Ich erinnere mich noch gut daran, wie Johannes und ich uns in seiner Wohnung die Castingbänder der möglichen Hauptdarsteller angesehen haben. Drei fingen sofort an, so ein bisschen meine Vorstellung von Martin, Oliver und Silke zu überlagern. Und das waren die drei, die es dann auch wurden. Natürlich hat der Film seine eigene Ästhetik. Aber, wie soll ich sagen... seine Melodie hat die Tonart des Buchs getroffen.
Gibt es autobiografische Bezüge zu ihrer gemeinsamen Kindheit und muss man sich die Sozialisation der Schmid Brüder in der niederbayerischen Provinz ähnlich vorstellen wie in BLÖDE MÜTZE!?
Klar. Alles selbst erlebt. Wort für Wort. – Nein, das wäre zuviel, aber Kindheit auf dem Land, ein kleiner undurchsichtiger Fluss, die Suche nach dem großen Gefühl, kleine Abenteuer – große Bedenken...
Und die Sturheit, mehr an die eigene Kunst zu glauben, als an ihr zu zweifeln.
Sie schreiben ausschließlich für Kinder und Jugendliche, ist Ihnen da Ihre eigene Kindheit Vorbild für die Geschichten?
Ja, mein Fundus. Um die Gefühle eines kindlichen Protagonisten nachempfinden zu können, sollte man selbst Kind gewesen und im positiven Sinn geblieben sein. Die Farbstifte hat man schon bevor man schreiben kann. Wie man die Farben effektvoll mischt, oder kompositorisch einsetzt, das ist erwachsenes Handwerk.
Vielleicht gibt es mal ein Drehbuch von Ihnen?
Ich schreibe neben den Kinderbüchern auch viel für Fernsehserien. Also die Fingerübungen wären gemacht.