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  • "Sturm der Liebe": Interview mit Chefautor Dr. Peter Süß

  • Peter Süß © Bavaria Fernsehproduktion/Jo Bischoff
    Peter Süß © Bavaria Fernsehproduktion/Jo Bischoff

    Drehbuchautor Dr. Peter Süß war vor seinem Engagement bei „Sturm der Liebe“ auch als Drehbuchautor bei den Soaps „Verbotene Liebe“ und „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ tätig. Im Jahr 2001 schrieb er außerdem das Drehbuch zu dem Sat.1-Film „Der Duft des Geldes“. Seit 2005 ist er nun Chefautor bei „Sturm der Liebe“.

    In dem Interview mit Cinefacts erzählt er über das Zustandekommen der Geschichten von "Sturm der Liebe" und gibt einen kleinen Ausblick auf die Zukunft der Telenovela.


    Interview mit Dr. Peter Süß

    Woher kommen die Ideen zu den einzelnen Geschichten von „Sturm der Liebe“?

    Wir entwickeln die Geschichten in einem Team von großartigen Autoren. Alle beherrschen ihr Handwerk, und alle haben eine andere Lebensgeschichte, und das ist sehr wichtig.


    Warum?

    Das Entwickeln der Geschichten beinhaltet immer einen Anflug von Seelenstriptease. Jeder der Autoren bringt die eigene Lebensgeschichte in die Storys von „Sturm der Liebe“ mit ein. Und das sorgt für emotionale Dichte.

    Es ist doch so im Leben: Wir fangen etwas an, wir schlagen unseren Faden in das Netz menschlicher Beziehungen. Was daraus wird, wissen wir nicht. Wir können nur hoffen auf das Menschliche in jedem Menschen; anders könnten wir nicht.

    Jeder unserer Autoren kennt diese typischen emotionalen Telenovela-Konstellationen, und jeder hat anders darauf reagiert: Man liebt jemanden, den man nicht erreichen kann; man fühlt sich verlassen; man wird enttäuscht von Freunden; man hasst, man hat Angst – Angst vor anderen und vor den eigenen Gefühlen; Angst davor, sie zuzulassen; denn das macht einen verletzlich.


    Das hört sich so an, als gehe es auch beim Entwickeln der Geschichten mitunter hoch her.

    Oh, ja, unbedingt! Es ist zwar nicht so, dass wir Autoren unser Leben eins zu eins auf den Schirm bringen. Wir müssen ja permanent Wirklichkeit und Erlebtes verdichten, zwingen sie in dramaturgisch überzeugende und emotional wuchtige Plots. Aber nur mit einem starken Team hat man Erfolg; das Team ist alles. Und wir haben noch jede Menge Ideen!


    Dürfen die Darsteller auch eigene Ideen mit einbringen oder müssen sie strikt nach Drehbuch spielen?

    Zunächst mal entwickeln die Autoren ja nicht nur die Geschichten, sondern erfinden auch die Figuren, lange bevor der  Darsteller, der der Figur Leben einhauchen soll, besetzt wird. Folglich wissen wir Autoren am Anfang am besten, wie eine Figur „tickt“.


    Dann sind die Autoren eigentlich die Figur?

    Klar, wir sind die Erfinder, denn wir überlegen uns ja, woher die Figur kommt, wie ihre Kindheit war, wo ihre größten Verwundungen, ihre Stärken und Schwächen liegen.


    Das hört sich so an, als müssten die Darsteller machen, was die Autoren sich ausgedacht haben...

    Soweit würde ich nie gehen, denn die  Besetzung ist extrem wichtig; wir Autoren liefern schließlich nur Papier. Selbstredend fließen die Ideen, die die Schauspieler haben, in die Figur und damit in die Geschichten ein. Und, klar, haben die Schauspieler die Möglichkeit, mit uns zu diskutieren, wenn sie eine Handlung ihrer Figur nicht nachempfinden können. Solche Diskussionen sind immer fruchtbar, denn schließlich ist es sehr wichtig, dass die Vorstellung der Autoren, was die Figur betrifft, und die Vorstellungen des Schauspielers von der Figur möglichst nah beieinander sind.


    Also gibt es im Grunde auch hier Teamarbeit?

    Genau! Denn wir alle sind aufeinander angewiesen, um eine Serie wie „Sturm der Liebe“ – und jetzt geb ich mal ein bisschen an: es ist die erfolgreichste Telenovela Europas! – zu machen.

    Ich bin immer offen für Anregungen des Schauspielers. Ich sag´s mal so: Am Anfang hab ich mir was gedacht, was die Figur angeht. Und jetzt bin ich neugierig, was ihr, die Schauspielerin/der Schauspieler, euch denkt. Es ist ein permanenter Austausch. Und wenn sie sich unwohl fühlen, haben die Darsteller die Möglichkeit, den Dialog mundgerecht zu gestalten. Schließlich will auch ich, dass möglichst alles so natürlich „rüberkommt“ wie nur möglich.


    Was darf ein Schauspieler auf keinen Fall mit einem Dialogbuch machen?

    Entscheidende Wendungen in einer Geschichte dürfen die Darsteller nicht ändern! Denn wenn die Schauspieler ihren Dreh haben, bin ich im Entwickeln der Geschichten ja schon viele Wochen weiter. Und wenn ein entscheidender Aspekt in einer gerade gedrehten Szene vom Schauspieler weggelassen würde oder in ihr Gegenteil verkehrt, könnte ich unter Umständen die Arbeit der kommenden Wochen, die bereits auf Storyline- und Buchebene geleistet worden ist, in den Mülleimer werfen. Und das geht natürlich nicht in einer Serie, in der alles aufeinander aufbaut!


    Gibt es eine Storyline, die Sie gerne einmal erzählen würden, aber die schwierig ist, in einer Telenovela umzusetzen?

    Eigentlich nicht. Das ist ja das Tolle an einer Telenovela wie „Sturm der Liebe“: Dass man eigentlich jede Geschichte erzählen kann, wenn sie nur emotional nachzuempfinden ist für den Zuschauer. Als Erstes geh ich mit neuen Ideen zu meiner Produzentin, Bea Schmidt, mit der mich, manchmal rätseln wir, warum, sehr viel verbindet.


    Inwieweit bestimmt die Redaktion bei den Geschichten mit?

    Sie ist ganz wichtig, und auch hier gibt es bei „Sturm der Liebe“ einen Glücksfall. Denn bei unserer Redaktion - Wolfgang Wegmann vom WDR, und Lara Gross vom BR - finden wir immer offene Ohren; es ist ein Austausch und, bei allen Diskussionen, die wir natürlich haben, ein Gleichklang, wie ich ihn – und ich habe für viele Sender und Serien gearbeitet – nicht mehr für möglich gehalten hatte. Das ist in der deutschen Fernsehlandschaft wirklich sehr selten.


    Zurück zu den Geschichten bei „Sturm der Liebe“. Was geht gar nicht?

    Aus produktionstechnischen Gründen – wir produzieren unfassbare 46 Minuten am Tag – sind Grenzen gesetzt: Komplizierte Stunts zum Beispiel sind tabu. Tiere und Kinder sind extrem problematisch. Einfach, weil die Arbeit mit ihnen zu viel Drehzeit erfordert.


    Wie sieht es mit Genrebeschränkungen aus?

    Thriller-, Horror- oder Fantasiestorys sind prinzipiell nicht das Terrain einer Telenovela, und damit auch eigentlich nichts für den „Sturm der Liebe“. Aber selbst in diesen Genres haben wir mitunter Geschichten angesiedelt, etwa wenn die böse Barbara von Heidenberg zurückkehrt an den „Fürstenhof“ als neue Figur. Weil sie unter Amnesie leidet und ihr neuer Ehemann ihr eine andere Existenz, nämlich die seiner abgöttisch geliebten verstorbenen Ehefrau, eingeredet hat. Im Grunde eine Geschichte, wie Hitchcock sie in „Vertigo“ – freilich anders – erzählt hat.

    Auch Komödienstoffe zu erzählen ist schwer. Weil sie beim Entwickeln mehr Zeit benötigen und beim Dreh mehr Tempo. Aber wir machen es trotzdem, denn ich will den Zuschauer ja unterhalten!

    Wir befinden uns mit dem Genre Telenovela in einem fest gesetzten Rahmen, das ist klar. Aber innerhalb dieses Rahmens kann man unglaublich viele Geschichten erzählen. Eigentlich alle – wichtig ist nur, dass sie den Zuschauer unterhalten und emotional zu packen in der Lage sind.


    Können Sie uns einen kleinen Ausblick geben, was in den nächsten Wochen bzw. Monaten bei „Sturm der Liebe“ passiert?

    Na, ihr seid ja lustig. Das ist  alles noch streng geheim (lacht).


    Ooch, bitte...

    Na, einen kleinen Ausblick kann ich geben: Zunächst werden wir die wunderschöne Hochzeit von Emma und Felix erleben. Und dann werden wir eine weitere packende Liebesgeschichte erzählen.


    Also alles, wie gehabt?

    Keineswegs: Im Oktober werden wir unsere neue Hauptfigur einführen, und zwar auf eine Art und Weise, wie sie noch in keiner Telenovela eingeführt worden ist! Und dann werden wir es diesem neuen Traumpaar sehr schwer machen, jede Menge Hindernisse stellen sich ihnen in den Weg. Denn wir erzählen erstmals eine Romeo-und-Julia-Geschichte am Fürstenhof! Zwei Sprösslinge zweier sich abgrundtief hassender Familien lieben sich. Und sie werden einen steinigen Acker zu pflügen haben, bevor sie zusammenkommen... Also, um es kurz zu machen: Ich kann jedem nur empfehlen, dranzubleiben!

    Das werden wir tun! Danke für das nette Gespräch.

    Hier finden Sie weitere Infos zu den "Soap-Wochen" bei Cinefacts !

Verfasst am 03.09.2009 um 08:00:00 Uhr von Sabrina Brixius RSS Logo Facebook Logo

 
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